Wolfgang Herrndorf – Diesseits des Van-Allen-Gürtels (2007)

Eichborn (2007) / Rowohlt (2009)

Skurril und unkompliziert

Wolfgang Herrndorf ist schon alleine durch seinen Adoleszenzroman Tschick in aller Munde. Neben dem Buch wurde die Geschichte verfilmt, in zahlreichen Theatern aufgeführt und mit mehreren Preisen ausgezeichnet. Das Traurige ist, dass uns Wolfgang Herrndorf leider nicht mehr mit neuen grandiosen Romanen glücklich machen kann und deshalb habe ich mich mit einigen seiner älteren Werke beschäftigt. Besonders gut gefallen hat mir dabei sein Erzählband Diesseits des Van-Allen-Gürtels, der erstmalig 2007 erschienen ist und sechs wunderbare skurrile Erzählungen beinhaltet, die auch den Herrndorf'schen Charme und Witz aus Tschick erahnen lassen.

Die Figuren und Plots seiner Erzählungen sind alltäglicher denn je, doch trotzdem schafft es Herrndorf, sie zu etwas Besonderem zu machen. Sei es durch Witz oder des genauen Gegenteils, die Melancholie, die jede Figur in einer gewissen Form in sich trägt. So ist es herrlich lustig, über die Situationen der Figuren zu lachen, aber jede Geschichte für sich wirft auch die Frage danach auf, ob denn die junge Generation nicht in Wirklichkeit eine verlorene ist, der alle Wege offen stehen, die sie aber in den wenigsten Fällen nutzen können. Studium, Praktika und Volontariat – aber was kommt dann? Zwischen Arbeitsmarktkonformität und Selbstverwirklichung zeichnet sich hier auch ein grauer Umriss um die Generation der Digitalisierung.

Herrndorfs Erzählstil ist dabei wie gewohnt unkompliziert und alltäglich, was eine extreme Nähe zu seinen Figuren evoziert, die genauso gut unsere Nachbarn sein könnten. Die Länge der Kürze der einzelnen Texte macht diesen Band sehr angenehm lesbar und zu einer perfekten »U-Bahn-Lektüre«, da sich der rote Faden immer wieder leicht aufnehmen lässt. Die Bezeichnung »U-Bahn-Lektüre« soll dem Werk allerdings nichts an Tiefgründigkeit und Genialität absprechen, ganz im Gegenteil, denn eines ist Herrndorf alle Male gewesen: ein Virtuose seines Fachs, der es geschafft hat, mit Elementen der Wirklichkeit so zu spielen, dass sie lange nachwirken.

Definitiv ein empfehlenswertes Buch und ein Muss für jeden Herrndorf-Fan.

Lasst gerne eine Kritik zurück! Viel Spaß beim Lesen!

Euer Sebastian Becker

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