David Foster Wallace – Schrecklich amüsant – aber in Zukunft ohne mich (2018)

Büchergilde (2018)

Cover Schrecklich amüsant - aber in Zukunft ohne mich

Vergnügungsmaschinerie Kreuzfahrt

Ich persönlich kann mir ja nichts Schrecklicheres vorstellen, als Urlaub auf einem Kreuzfahrt-schiff zu machen. Das ist ungefähr auf einer Stufe mit Tupperpartys und Romanen von Rebecca Gablé (ich weiß, da werden jetzt viele Aufschreien). Ähnlich geht es dem Kultautor David Foster Wallace, der wohl besonders durch sein Megawerk Unendlicher Spaß bekannt geworden ist, sich aber leider 2008 das Leben nahm. Etwas Neues ist also nicht zu erwarten, seine verfassten Texte sind jedoch immer wieder ein Highlight für mich. Nachdem ich den Erzählband Kurze Interviews mit fiesen Männern gelesen habe, war der Reisebericht Schrecklich amüsant - Aber in Zukunft ohne mich an der Reihe, welcher in einer schön gestalteten und von Chrigel Farner illustrierten Ausgabe in der Büchergilde erschienen ist.

Vorab, Wallace erging es wie mir. Vielleicht nicht mit Tupperpartys und Romanen von Gablé, aber zumindest mit Kreuzfahrten. Der 1996 ursprünglich im Harper´s Magazine erschienene Text schildert auf eine fast schon bösartige Art und Weise die Erfahrungen des Verfassers während seiner ersten Kreuzfahrt. Sieben Tage. »Ich habe sacharinweiße Strände gesehen, Wasser von hellstem Azur. Ich habe einen knallroten Jogginganzug gesehen, mitextrabreitem Revers. Ich habe erfahren, wie Sonnenmilch riecht, wenn sie auf 21000 Pfund heißes Menschenfleisch verteilt wird. [...] Ich habe 500 amerikanischen Leistungsträgern beim Ententanz zugeschaut.«

So startet der Reisebericht im ersten Kapitel und gibt einen guten Eindruck von dem, was noch kommt. Die hervorragende Beobachtungsgabe von Wallace, gepaart mit einer gelungenen und subtilen Ideologie- und Konsumkritik, bringt den Leser seines Berichts definitiv immer wieder zum Schmunzeln und vielleicht erkennt man sich an der einen oder anderen Stelle auch selbst wieder. Wallace selber war gelegentlich doch sehr überrascht von sich selbst:
»Ich kenne inzwischen den Unterschied zwischen einfachem Bingo und Prize-O und weiß, was ein Bingo Multi-Bonus ist. [...] Ich habe im Zweivierteltakt von Siebzigerjahre-Discomusik den Arm gen Saaldecke gereckt, was ich seinerzeit (1977) ums Verrecken nicht getan hätte.«

Was den Erzählstil angeht, kann man wohl von einem typischen Wallace sprechen, wer sich darunter nichts vorstellen kann: Teilweise lange Sätze, sehr lange Sätze. Nachvollziehbar, aber nicht immer leicht und vor allem: mit Fußnoten. Was man eigentlich nur aus wissenschaftlicher Literatur kennt, hat sich Wallace zunutze gemacht, um seine oft abschweifenden und abwegigen Gedanken im Text unterzubringen. Das kann schon mal dazu führen, dass eine Fußnote eine komplette Textseite einnimmt. Anfangs ist das etwas gewöhnungsbedürftig, nach einer Weile kommt man aber ganz gut damit klar. Wenn man mich fragt, verliert der Text dadurch allerdings etwas an Dynamik und unterbricht den Lesefluss, was man natürlich auch als Stilmittel interpretieren kann.

An meinem Lachen gemessen, ist es wohl das lustigste Buch seit zwei Jahren und definitiv empfehlenswert. Die Ausstattung der Büchergilde veredelt das Ganze noch etwas, allerdings ist der Unterhaltungswert im Verhältnis zu anderen Ausgaben natürlich gleich.

Was haltet Ihr davon?

Viel Spaß beim Lesen!

Euer Sebastian Becker

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