Jonas Lüscher – Frühling der Barbaren (2013)

C.H. Beck

Zwischen Kamelen und Finanzkrise

Was haben Kamele und die Finanzkrise gemeinsam? Nichts, genau. Oder zumindest nur sehr wenig. Der Schweizer Autor Jonas Lüscher macht in seiner Novelle Frühling der Barbaren allerdings die Wüste zur Kulisse einer Finanzkrise, wie sie im Buche steht. 

Preising steht im Mittelpunkt dieser Geschichte und erzählt von einem Erlebnis in der Wüste Tunesiens, das er so schnell nicht vergessen wird. Vielleicht ist es sogar ein Erlebnis, das ihm und seiner Psyche langfristig geschadet hat, aber darüber soll an dieser Stelle nicht zu viel verraten werden. Preisings Position ist als eine durchaus günstige anzusehen, so hat er ein Unternehmen geerbt, welches nun von einem jungen Manager auf Vordermann gebracht wird. Ihm kommen dabei wenige bis gar keine Aufgaben zu, und somit reist er viel, was ihn auch schon nach Tunesien führte. Während einer Busfahrt passiert das erste Unglück, denn er wird Zeuge eines Unfalls. Ein Bus hat ein Dutzend Kamele überfahren und so die Existenzgrundlage des Kameltreibers zerstört. Lange überlegt er, ob er ihn finanziell unterstützen sollte, doch er überlegt zu lange und muss dann wieder schnell zurück in den Bus, um weiterzufahren. Es wäre ein Leichtes gewesen für ihn, den Mann zu unterstützen; sein Vermögen ist in Tunesien noch wesentlich mehr Wert. 

In einer Hotelanlage angekommen lernt er eine Hochzeitsgesellschaft kennen. Eine Familie, deren Tochter heiratet und eine riesige Zeremonie plant. Die meisten Gäste sind wohlhabend und werden aus England extra eingeflogen. Unglaubliche Kosten, aber man gönnt sich ja sonst nichts. 

So weit, so gut. Doch was passiert, wenn das englische Pfund plötzlich immer mehr an Wert verliert, Firmen pleitegehen, Kreditkarten gesperrt werden? Das Ausmaß an Chaos und Angst kann man sich gar nicht vorstellen. Das übernimmt Lüscher für den Leser und macht die gesamte Hochzeitsgesellschaft über Nacht zu armen Menschen, die verloren in einem tunesischen Hotel sitzen, weder zurück nach England kommen, noch die Hotelrechnungen bezahlen können. Erst jetzt wird ihnen bewusst, was es überhaupt heißt, nichts zu haben. Die Situation im Hotel eskaliert und einer ist mittendrin, Preising. 

Lüscher schafft es in seiner durchaus unterhaltsamen Novelle, auf verhältnismäßig wenigen Seiten die Finanzkrise zu beschreiben und das fernab der Wall Street und Immobilienblasen. Geschaffen an einem Ort, der auch genauso gut vor unserer Haustür stattfinden könnte, was den Roman authentisch macht und spannend. 

Wie die ganze Sache für Preising ausgeht, ist durchaus verrückt, aber das lassen Sie sich am besten von ihm selber berichten, denn er gibt auch einen tollen Erzähler ab.

Ich wünsche viel Spaß und freue mich auf eure Meinung!

Euer Sebastian Becker

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