Haruki Murakami – Die Ermordung des Commendatore, Bd. 2 (2018)

Ich muss wirklich sagen, dass es mir schwergefallen ist, mich mit dem zweiten Band auseinanderzusetzen, nachdem mir der Erste doch so gar nicht zugesagt hat. Um es mir etwas leichter zu machen, habe ich mir allerdings dieses Mal das Hörbuch dazu gekauft und bin auf ein, zwei Spaziergängen abgetaucht in die Murakamische Phantasiewelt, die man wohl am ehesten dem magischen Realismus zuschreiben kann. Abgetaucht ist hier auch das richtige Wort, denn wenn man Gefallen an dieser Art Literatur finden will, muss man sich wirklich darauf einlassen sowie seltsame »magische« Geschehnisse einfach hinnehmen und darf nicht auf die Idee kommen, sie zu hinterfragen. 

Schon im ersten Band begegnet dem Leser die Figur des Commendatore. Er ist einem Gemälde entsprungen und unterhält sich dann, 60 cm groß auf dem Sofa sitzend, mit dem Protagonisten. Seine Aufgabe in der Geschichte bleibt auch im zweiten Teil weiter fragwürdig und sowieso geht dem Autor ein bisschen der Atem aus. Die Erzählung wird langwieriger und die immer wieder auftretenden »übermenschlichen Phänomene« bringen nicht wirklich Licht ins Dunkel. Mittelpunkt der Erzählung wird die 13-jährige Marie, die scheinbar die Tochter des wohlhabenden Nachbars ist. Dieser wiederum hatte den Maler schon im ersten Band darum gebeten, sie zu portraitieren, damit er ihr nahe sein kann. So nimmt der zweite Band seinen Lauf und lässt, wie man es von Murakami kennt (man erinnere sich an »Gefährliche Geliebte«), natürlich auch das Sexuelle nicht zu kurz kommen. Immer wieder dreht sich die Story um die »Wölbungen unter ihrem Pullover« und siehe da, im Garten findet der Protagonist eine vulvaförmige Grube. Auf die Aufklärung und Bedeutung dieser »Zeichen« wartet man dann vergebens, denn das Ende bleibt offen und hinterlässt, zumindest bei mir, eine Frage. Warum das Ganze überhaupt? 

Immer weniger nachvollziehbar finde ich außerdem die Frage, wieso man Haruki Murakami als Literaturnobelpreisträger handelt. Künstlerisch entwickelt er sich nicht weiter und verfällt immer wieder in die gleichen erzähltechnischen Strukturen. 

Irgendwie bleibt einem nach dem ersten Band ja fast nichts anderes übrig, als den zweiten zu lesen, erwarten sollte man aber nicht zu viel. 

Ich bin auf eure Meinung gespannt!

Euer Sebastian Becker

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.